
Prinzipiell finde ich die Politik der ruhigen Hand von Heribert Bruchhagen und Friedhelm Funkel gut, aber so langsam müssen wir mal aus der Lethargie erwachen. Das gilt insbesondere für Funkel als Trainer, denn eine Struktur im Spiel der Eintracht ist momentan überhaupt nicht zu erkennen. Ganz im Gegenteil, wir sind an Harmlosigkeit nicht zu überbieten.
Hat das Spiel noch einigermaßen gut begonnen, so desaströs endete es. Die ersten 15 Minuten haben mir eigentlich sehr gut gefallen. Der Ball lief schnell von Anspielstation zu Anspielstation, Doppelpässe, die Spieler in Bewegung und der Ball wurde am Boden gehalten. Wir hatten in dieser Zeit zwar auch keine großen Chancen, aber das Spiel war ansehnlich und man hätte darauf aufbauen können. Dann kam jedoch der Bruch ins Spiel und es fand der Wechsel zu der Spielweise statt, die uns seit Wochen auszeichnet. Keine Struktur, niemand hält die Positionen und der Ball wird nur hoch nach vorne gedroschen. Wir haben ja so kopfballstarke Spieler da vorne… Zum Beispiel Benny Köhler oder Michael Thurk… Ab diesem Zeitpunkt war eigentlich klar, dass der VFB besser ins Spiel kommen musste.
Obwohl die Stuttgarter das Spiel dann beherrschten, gewann Ochs im Mittelfeld einen Zweikampf und Benny Köhler vollstreckte zur Führung. Doch danach? Man solllte meinen, dass so ein Treffer Sicherheit gibt. Nein, ganz im Gegenteil, voller Überheblichkeit wurde die Führung innerhalb von drei Minuten verspielt. Dabei hatte Frankfurt noch Glück und Pröll, der einen Schuss mit den Fingerspitzen an den Pfosten lenken konnte. Die Tore fielen eigentlich alle nach dem gleichen Strickmuster. Nicht konsequent angegriffen, viel zu weit entfernt von den Gegenspielern und dann auch noch unachtsam, wenn der Ball in die Nähe des Abwehrspielers kam. So taten sich Kyrgiakos und Spycher bei den Gegentreffern hervor. Bei eigenem Ballbesitz hingegen blieben Sie blass.
Was fällt noch auf? Drei Dinge möchte ich noch ansprechen.
1. Wir spielen Angsthasen-Fussball. Die Pässe gehen in der Regel zur Seite oder nach hinten. So kann man sich keine Torchancen erarbeiten. Das muss aufhören und im Mittelfeld muss eine ordnende Hand gefunden werden.
2. Die Spieler scheinen sogar die Laufwege verlernt zu haben. Wenn man sich das Spiel von der Tribüne anschaut, scheint es so, als ob ein Hühnerhaufen dort unten unterwegs ist. Beispielhaft zu erkennen, als Thurk bei einem Konter den Ball durch die Mitte nach vorne bringt und Takahara, Amanatidis und Köhler sich in der Mitte mehr oder weniger selbst in die Quere kommen. Herr Funkel, so etwas kann man trainieren. Floskeln, wie das Spiel breit machen oder kreuzen sollte auch Ihnen bekannt sein. Ich bin mir sicher, da gibt es taktisch einiges aufzuarbeiten!
3. Die Auswechselpolitik von Funkel nervt mich an! Wenn ich bei 1:3 Rückstand einzig und allein Inamoto durch Fink (beide auf der 6er-Position) austausche, dann hat das für mich keine Signalwirkung. Wollten wir nicht noch versuchen das Spiel in ein Unentschieden zu retten? Eine dritte Auswechslung kam wie so oft gar nicht mehr in Frage! Welches Zeichen ist das an unsere jungen Spieler? Was muss passieren, dass Spieler wie Ljubicic, Toski oder Galm mal eingesetzt werden? Um ehrlich zu sein, das zeugt nicht gerade von Vertrauen in diese Spieler und an deren Stelle würde ich mir eine Mannschaft suchen, wo ich zumindest in solchen Situation Spielpraxis holen kann!
Ach ja, dann sei noch erwähnt, dass es schon ziemlich cool war, die Mannschaft die letzten 20 Minuten ununterbrochen anzufeuern. Schade, dass man nicht gesehen hat, dass Ihnen das auch ein bißchen bedeutet oder geholfen hat. Aber lieber Herr Beckmann, beim Anschauen der Sportschau musste ich doch schmunzeln. Ja wir feiern uns auch ein bißchen selbst, aber Anfeuerung auch in solchen Momenten bedeutet “Fan sein”. Mit Galgenhumor hatte das nun wirklich gar nichts zu tun. Aber immerhin hat sogar die ARD mal ein Wort darüber verloren, sonst redet man dort ja nur über die fantastische Atmosphäre beim FC Bayern.
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